KOMMUNALES IMMOBILIENMANAGEMENT
Effizienzerhöhung statt kommunales Kaputtsparen
Sparen ist derzeit die Zwangsdevise der kommunalen
Haushalte. Unentdeckte Potenziale könnte dabei
ein optimiertes kommunales Immobilienmanagement zu Tage
fördern. Denn einem Vergleich der Leistungserbringung
mit der privaten Wirtschaft hält die öffentliche
Hand nicht stand, meint Robert John in folgendem Gastbeitrag.
Er geht davon aus, dass Einsparungen von 10 bis 30%
im kommunalen Immobilienmanagement möglich sind.
Neben kurzfristigen Einmaleffekten stehen dabei vor
allen Dingen die laufenden Effekte in den Bereichen
Asset Management, Facility Management und Baumanagement
im Mittelpunkt.
Die Situation der öffentlichen Haushalte ist prekär.
Insbesondere die Städte und Kommunen sehen sich
kaum mehr in der Lage, ihrer Fürsorgeaufgabe nachzukommen.
Davon betroffen sind zuallererst die investiven Maßnahmen
wie Modernisierung und Erhaltung der öffentlichen
Infrastruktur, z.B. der Straßen, Schulen und der
Verwaltung. Eine Verbesserung der Einnahmeseite aus
einem erhöhten Steueraufkommen ist in den nächsten
Jahren eher unwahrscheinlich.
Deswegen sind interne Potenziale zu erschließen,
um zusätzliche Mittel für die öffentlichen
Haushalte zugänglich zu machen. Gerade Immobilien,
d.h. deren Betrieb und Verwaltung, bieten hier interessante
Ansatzpunkte.
Unsere Erfahrungen zeigen, dass in der öffentlichen
Verwaltung der individuelle Flächenverbrauch und
die Personalintensität aller Immobilienprozesse
von Bau bis Betrieb deutlich zu hoch sind und einem
Vergleich mit externen Leistungen nicht standhalten.
Hinzu kommen Potenziale durch eine umfassende Portfoliosegmentierung
und Identifikation von Immobilien, die nach einer Optimierung
nicht mehr betriebsnotwendig sind und daher abverkauft
werden können. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
muss natürlich die Besonderheiten des öffentlichen
Haushaltsrechts entsprechend würdigen. Einsparungen
von 10 bis 30% sind aus unserer Erfahrung realistisch.
Die Ausgangslage
Die Haushaltsnotlagen, Verschuldungsgrade, Einnahmeausfälle
aus Gewerbe- und Körperschaftsteuer etc. verlangen
Konzepte, die die Mittelverwendung der Kommunen kurz-
bis mittelfristig verbessern. Durch die zunehmende Globalisierung
ist von Seiten der Politik national wie international
ein verstärkter Wettbewerb um die Ansiedlung von
Unternehmen entbrannt. Bedingt durch die angespannte
konjunkturelle Lage und die schlechten Arbeitsmarktzahlen
ist es für alle Regierungen sehr wichtig, wirtschaftspolitische
Erfolge vorweisen zu können und Investoren in ihre
Regionen zu locken.
Auch zwischen den Bundesländern ist daher ein
intensiver Standortwettbewerb entfacht. Immerhin 37%
der heute in Deutschland ansässigen Unternehmer
würden bei einer erneuten Standortwahl in ein anderes
Bundesland wechseln. Diese Zahl macht deutlich, wie
wichtig es für die Länder in Deutschland ist,
sich dem Wettbewerb zu stellen und durch struktur- und
wirtschaftspolitische Maßnahmen ihre Attraktivität
für Unternehmer zu steigern.
An diesem Punkt stellt sich für die Kommunen zur
Finanzierung dieser Strukturmaßnahmen folgende
Frage: Konsolidieren oder dekonsolidieren? Wir schlagen
beides vor!
Der Konsolidierungsgedanke
Bestehende Strukturen und Organisationen in den Städten
und Kreisen sind ausgereizt - jedoch können im
Bereich Immobilienmanagement nachhaltige Synergieeffekte
geschaffen werden. Faktische Strukturen konsequent aufzubrechen
ist Bedingung solcher Effekte.
Auf Grund der Ressortabgrenzung besteht in den kommunalen
Verwaltungen in der Regel eine hohe Intransparenz, und
zwar durch weit verteilte und nicht durchgängig
erfasste, elektronisch verarbeitete und konsolidierte
Informationen. Eine fehlende Konzentration auf Kernkompetenzen
und der ungezielte Einsatz von Ressourcen, bedingt durch
gewachsene Strukturen, führen zu Redundanzen und
erheblichen Mehrausgaben. Hinzu kommen die quasi nicht
vorhandene Budgethoheit der Mittelverwender sowie die
kamerale Steuerung der Haushaltstitel, die eine zielgerichtete
Ressourcen-Bewirtschaftung erschweren.
Ziel des zukünftigen Flächenmanagements ist
es, den Körperschaften durch eine externe Betrachtung
Wege aus der Verschuldung hin zu einer dauerhaft verbesserten
Haushaltssituation aufzuzeigen. Die Erfahrungen belegen,
dass die meisten Kommunen über hinreichende Immobilienbestände
verfügen, die entsprechende Synergieeffekte zur
Konsolidierung des Haushaltes aufweisen. Bei vergleichenden
Prüfungen konnten wir erhebliche Einsparpotenziale
innerhalb der kommunalen Verwaltungen nachweisen.
Die Kommunen besitzen einen bunten Strauß an
Gebäuden, Flächen sowie be- und unbebauten
Grundstücken, die von den jeweiligen Dezernaten,
Bereichen, Hausherren usw. i.d.R. nach gewachsener "Notwendigkeit"
genutzt werden. Effizienzkriterien spielen oftmals nur
eine periphere Rolle. Daher ist ein innovatives Flächenmanagement
erforderlich, das die werttreibenden Faktoren wie Asset
Management, Facility und Baumanagement, aber auch Einmaleffekte
wie bspw. Leerzugsinstandsetzung, Umzugskosten sowie
die Neuanschaffung neuer und zusätzlicher Büroausstattung
berücksichtigt.
Zu betrachtende Flächen sind: Schulen, Sportstätten,
Kindertagesstätten, Badeanstalten, Gaststätten,
Wohngebäude, Gewerbeflächen, landwirtschaftliche
Nutzflächen, Brachen, Kleingarten-Kolonien etc.
Die hier entstehenden Ausgaben, die in den Vermögenshaushalt
einfließen, repräsentieren erfahrungsgemäß
rund 15 bis 30% (und mehr) des Gesamthaushaltes der
Kommunen. Diese Budgetposition steht oftmals an zweiter
Stelle nach den Kapitaldiensten, die in den neuen Bundesländern
bei rund 20 bis 30% (bspw. Neubrandenburg/Rostock 2002)
und in den alten Bundesländern bei rund 50% (bspw.
Kassel/Stuttgart 2002), gemessen am Gesamthaushalt,
liegen (vgl. Abb. 1: Beispielbetrachtung eines typischen
Vermögenshaushalts).
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| Abb. 1: Der Vermögenshaushalt:
Fetter Immo-Brocken |
Die Flächen sind heute i.d.R. mieterspezifisch
oder hausherrenorientiert belegt. Dies hat zur Folge,
dass Hausherren Flächen okkupieren, losgelöst
davon, ob sie diese tatsächlich aktiv nutzen. Um
dieser Flächenbedarfsproblematik entgegenzuwirken,
differenzieren wir die Bestände von Körperschaften
wie nachfolgend beschrieben.
Zur Sicherstellung der realistischen Einnahmen-/Ausgabenrechnung
unterliegen die umzugsbedingten Effekte einer marktorientierten
Dynamik. Der Betrachtungshorizont beträgt fünf
Jahre.
In unserem Beispiel vergleichen wir zwei Alternativen:
Fortführung des Status quo versus Umzug. Dabei
dient der auf fünf Jahre extrapolierte Zahlungsstrom
des Status quo als Vergleichsbasis für den zu schätzenden
Zahlungsstrom der zweiten Alternative: das Flächenmanagement.
Abbildung 2 zeigt den Einsparungseffekt an einem Beispielobjekt:
Für die geplante Veräußerung des Objektes
fallen 2003 einmalig Ausgaben für Instandsetzung,
Umzug sowie neue Arbeitsplatzausstattungen an. Dauerhaft
positiv sind die Einsparungen im Bereich Personal, Instandhaltung
und Zinseinnahmen aus Kapitalanlage.
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| Abb. 2: Beispielhafte Kosteneinsparung
für ein kommunales Gebäude: Im Jahr 5
schlagen die Einsparungen durch |
Der Netto-Amortisationseffekt setzt in diesem Beispiel
nach 2006 ein. Somit beträgt die zu erwartende
akkumulierte Kosteneinsparung 2007 420 EUR. Ab 2008
würden die realen Einsparungen greifen und dem
Haushalt in Höhe von rund 49.302 EUR jährlich
voll zufließen.
Effizienzpotenzial Asset Management
Der reine durchschnittliche Büroflächenbedarf
in Kommunen liegt bei rund 20 m2 pro Mitarbeiter (ohne
Wegeflächen, Nass-, Besprechungs- und Raucherbereiche
sowie sonstige soziale Flächen wie Kantine, Erste
Hilfe etc.). Bei institutionellen Dienstleistern mit
klassischen Büroflächen beträgt dieser
8,9 bis 15 m2 je Mitarbeiter, also rund 25 bis 50% weniger.
Verschiedene Verordnungen und Empfehlungen wie die Arbeitsstättenverordnung
oder der Bundesstelle für Büroorganisation
und die Bürotechnik sehen für großräumige
Büros 8 bis 10 m2 je Mitarbeiter sowie für
Einzelbüros bis zu 14 m2 vor. Erste, sich hieraus
ergebende Potenziale eines Flächenmanagements liegen
auf der Hand (vgl. Abb. 3: Bürofläche in m2
je Mitarbeiter).
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| Abb. 3: Bürofläche
in m² je Mitarbeiter* Die Kommunen brauchen
im Schnitt 20 m² |
Ist eine Flächenreduzierung, beispielweise durch
Zusammenlegung von Ressorts, möglich, können
Kommunen entsprechende Potenziale aus Verkäufen
und Abmietungen der Liegenschaften erzielen, und zwar
differenziert nach Einmaleffekten und laufenden Effekten.
Einmaleffekte resultieren im Wesentlichen aus dem Abverkauf
und der Abmietung von Flächen; laufende Effekte
im Wesentlichen aus der optimalen Nutzung und dem Facility
Management. Diese Potenziale liegen erfahrungsgemäß
im ein- bis zweistelligen Millionenbereich (vgl. Abb.
4).
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| Abb. 4: Kurzfristige Mittelzuflüsse
durch Abverkauf von Liegenschaften: Die laufenden
Spareffekte werden durch kurzfristige Zuflüsse
ergänzt |
Refinanzierungsmodelle wie Private Public Partnerships
und/oder Sale-and-Leaseback-Verfahren ermöglichen
den Kommunen einen großen Handlungsspielraum.
Die durch diese Refinanzierungsmodelle erzielte Liquidität
steht reziprok dem Haushalt zur Verfügung.
Effizienzpotenzial Facility Management
In dem Bereich der Objektbewirtschaftung steckt ein
nahezu ebenso großes Effizienzpotenzial. Die Auswirkungen
auf der Ebene der Betriebsausgaben ergeben sich im Wesentlichen
aus zwei Effekten: zum einen aus dem Mengeneffekt, bedingt
durch den reduzierten Flächenbedarf, zum anderen
aus dem Preiseffekt, bedingt durch die effiziente Ressourcennutzung.
Die konsequente Bündelung benötigter Serviceleistungen
wie Hausmeisterdienste, Innenreinigung etc. sowie die
zentrale Vergabe und Koordination von Bewirtschaftungsleistungen
bedeuten Einsparungen i.H.v. rund 15 bis 40%.
Prof. Udo Müller, Präsident des Hessischen
Rechnungshofs, brachte es auf den Punkt: "Vergäbe
man im Bereich der allgemeinen Verwaltung die Reinigungsaufträge
für die Verwaltungsgebäude an eine Fremdfirma,
anstelle sie mit eigenem Personal durchzuführen,
so wären in einer hessischen Stadt jährlich
über 1,7 Mio. EUR einzusparen."
Effizienzpotenzial Baumanagement
Die Aufgaben im Bereich Baumanagement differieren in
den jeweiligen Kommunen stark, insbesondere dann, wenn
Dienstleistungen für Objekte zu erbringen sind,
die wiederum dritten kommunalen Trägergesellschaften
zuzuordnen sind.
Eine grobe Faustformel lässt dennoch einen Vergleich
zu: Techniker in Wohnungsbaugesellschaften betreuen
ein Instandhaltungs-, Modernisierungs- bzw. Bauvolumen
von i.H.v. rund 5 Mio. EUR, technische Mitarbeiter in
den Kommunen oftmals nur einen Bruchteil davon. Auf
Grund des geringen Pro-Kopf-Volumens liegt der Anteil
der Personalausgaben für den Bereich "Bauausgaben"
i.d.R. zwischen 8 und 25% über dem Wert in der
Privatwirtschaft (vgl. Abb. 5: Beispiel Einsparungen
im Baumanagement).
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| Abb. 5: Baumanagement: Es
ist zu teuer |
Fazit
Resümierend ist festzustellen, dass die laufenden
Effekte im Bereich des Asset Management bei rund 30
bis 40%, im Bereich des Facility Management bei rund
24 bis 31% und im Bereich des Baumanagement bei rund
10 bis 15% liegen. Die Einmaleffekte schwanken in den
Kommunen derart, dass diese nicht quantifiziert, sondern
lediglich die Werttreiber herausgestellt wurden: Veräußerung
von Verwaltungs- und Fiskalvermögen sowie Investitionen
für Überwachungs- und Energiesparmaßnahmen
etc. (vgl. Abb. 6: Beispiel Laufende Potenziale und
Einmaleffekte aus dem Flächenmanagement).
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| Abb. 6: Laufende Potenziale
und Einmaleffekte aus Flächenmanagement: Das
Sparpotenzial ist erheblich |
Die modellhafte Darstellung der Effizienzpotenziale
in den Bereichen Asset, Facility und Baumanagement vermittelt
einen ersten Eindruck über die notwendige Herangehensweise
an diese Thematik. Dies setzt einschlägige Erfahrungen
voraus, insbesondere bei der Reflexion möglicher
Restriktionen (Vermeidung von Unterauslastung, marktorientiertes
Preisniveau, umfassender Leistungsvergleich durch standardisierte
Berichte an Aufsichtsgremien, Sicherung des Know-how-Transfers
etc.). (tp)
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